Bettler

BoffskiWeisse wat ich nich versteh? Bettler. Ich mein die, die besonders an Weinachten immer wie Pilze aussen Boden wachsen und in Horden inne Fußgängerzone und anne Ecke von die ganzen Supermärkte knien und ganz traurich kucken.
 
Klar gibtat viele arme Leute. Keine Frage. Zum Beispiel unsan Herr Dokter. Wat der immer über die viel zu niedrige Kostenpauschale vonne Krankenkassen am Stöhnen is, da krisse schon richtich Mitleid mit ihn.
Der hat aber auch wat anne Füße, der Arme. Die ganzen Kosten vonne Praxis mit die Mädkes die bezahlt wern wolln und die ganzen Kredite, die er vonne Bank aufnehm musste. Dann die kleine Villa anne Cäcilienhöhe, die ganzen geliesten Bonzenkarren füre Frau und füre verwöhnten Bälger die auch noch im sechsendreissichsten Semester Medizin am Studiern sind. Dat muss ja allet irgenswie bezahlt wern. Und die ganzen Versicherungen und die vielen Vereinsbeiträge und die Kosten füre Berufsverbände und so weiter und so fort. Und wat die Steuerfuzzis ein immer abknöpfen. Da bleibt am Ende nich viel übrich. Janee, dat kann ich gut nachvollziehn, dat da sone gewisse innere Armut aufkommen tut und du dich frachs, warum du dat einklich allet machs.
 
Aber wat ham denn die Bettler, die anne Ecke rumlungern? Nix ham die. Nix wodrumse sich kümmern müssen. Kein dicket Auto, keine teure Villa, keine Blagen denen se dat Studium finanziern müssen. Steuererklärung is ein Fremdwort für die. Und Geld kriegense für umsonz ohne Arbeit vonne Sozialhilfe. Getz frach mich ma, warum die dann auch noch anne Ecke sitzen und die Hand aufhalten. Die könnten ihre Sozialhilfe doch besser inne Kneipe umsetzen und Bisken wat füret Bruttosozialprodukt tun, oder?
 
Aber ma in Ehrlich.
Dat is mich trotzdem manchma ein Bissken peinlich, eimfach so dran vorbei zu gehn und nix im Hut zu schmeißen. Besonders wenne grade inne Adzwenzzeit mite dicken Taschen aussen Supermarkt kommen tus und der Kollege grad wieder so ganz traurich, aber ma sowat von ganz traurich kuckt. Besonders an Weinachten, wo ein doch dat Herz ein Spalt breit weiter aufstehn tut. Dann erwisch ich mich dabei, wie ich doch son paar Cent, die sich inne Hosentasche angesammelt haben im Hut rein schmeiß.
Und wenn der Kollege mich dann ankuckt wie als wenner sagen will „Wie getz, du ollen Geizfriemel? Is dat allet?“, dann bin ich erssma wieder kuriert von meine Nächstenliebe und ich nehm mich vor, dat nich nochma zu machen.
Dat hält dann wieder ne Weile.
Aber dann is auf eima wieder Weinachten. Und Hunderte von Bettler sitzen an jede Ecke und kucken traurich …

 


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