Fußball

Hebbert HonselmeierHömma! War ich letztens ma wieder bein Birkan anne Bude gewesen. Ebend ma schnell inne Halbzeit en Bierken holn. Und wen treff ich da? Logisch. Den Hebbert Honselmeier.
„Na, Hebbert?“ sarich so für ihm. „Heute nich vore Glotze, Länderspiel kucken?“
„Ahach Boohoffskii, Duu bissat,“ sachter und versucht, die Augen von sein leeret Pinnken zu lösen. „Birkaaahn? Mammanoein, uuund fürmeinfreundhier auch.“
„Jau,“ sarich zurück. „Ich bin dat.“
Und fürn Birkan sarich:
„Nee, lass ma gut sein. Ich hab nich so viel Zeit. Ich muss gleich wieder die Mannschaft anfeuern.“
„Dat machichnichmehr,“ lallt der Hebbert vor sich hin.
„Jawie, jawat?“ frach ich ganz überrascht. Wo doch grade der Hebbert sonz nie ein Spiel verpassen tut. „Hebbert, wat is passiert? Hamse Dich opperiert, wovon ich nix weiß?“
„Issoch immer datselbe,“ kannze so ebend noch durche feuchte Aussprache verstehn. „Die gewinn doch wiiesooh.“
„Ja, so muss dat doch auch. Sind doch unsre Jungs. Wat gefällt Dich denn dadran nich?“
„Datis langweilich geworn. Kannsse auch Wesssfahlia Herne aufen Platz schtelln. Issoch datselbe.“
„Nananana,“ sarich. „Nix gegen Westfalia Herne, aber unsre Natzjonahlmannschaft is doch schon ne andre Liga.“
„Neeehee,“ sachter. „Ichmeinoch die andern. Birkaaahn Mammanoein, uuund fürmeinfreundhier auch.“
„Hebbert, Du has grade schon bestellt,“ sacht der Birkan. „Samma, willze getz auswandern?“
„Häh?“ versucht der Hebbert unsern Budenwirt verstört anzukucken. Dann kneifter ein Auge zu, fingert mühsam nachen vollen Pinnken und kippt sich dann mit ein falschen Schwung dat Gift halb im Bart und halb inne Futterluke. „Bröööh!“ rülpster dann rum und sacht: „Neeh, wie kommpsen daadrauf?“
„Hömma!“ werf ich dazwischen. „Is doch klar. Der Birkan hat gedacht, datte getz nich mehr bei unsre Religion mitmachen tus und im Rheinland ziehs. Der hat eimfach  Angst sein besten Kunde zu verliern.“
„Hääh?“ kuckter mich wieder an, glaub ich.
„Ja,“ sarich weiter. „Is doch klar. Hier bei uns im Revier is Fußball ne Religion. Und wenne auf eima wat dagegen has, kannze einklich nur auswandern. Und für Dich wär doch dat Rheinland gut. Mit deine Vorliebe für Schnaps gehsse da als Original durch, und wat dat Beste is, Du brauchs dich keine Gedanken über Fußball zu machen. Weil, dat könn die da nich und machen deshalb auch keine Religion dadraus. Da fällze mit deine Abneigung garnich auf.“
Klick. Klack. Fümf Fennige von den Groschen falln daneben, drei bleiben stecken und einer kommt durch.
„Nee,“ sabbert er zwischen die Dritten durch. „Da kennich doch kein. Birkaahn? Mammanoein, uuund fürmeinfreundhier auch.“
Ich grins Birkan an, Birkan grinst mich an und ich sach:
„Hebbert, Du kannz dat halten wie du willz. Ich geh getz wieder nach Hause und häng mich vore Glotze. Die Halbzeit is vorbei. Wenne Bock has, kannze gerne mitkomm. Ich hab noch ein Rest von den Weinbrand von letzen Weinachten im Schrank. Der muss weg.“
Dat hater sich nich zweima sagen lassen und hat sich bei mich eingehakt.
Bei mich zu Hause hater dann die halbe Pulle von den Braunen leer gemacht, hat die Natzjonahlmannschaft angefeuert wie ein Berserker, mein Klo vollgekotzt und is mitten im Satz aufen Soffa im Wohnzimmer eingepennt.
Hömma! Dat war ein richtich töften Fußballabend. Und der Hebbert is von seine Fußballkritik kuriert. Der wandert bestimmt nich nachen Rheinland aus.
Wat soll der auch da? Da wärer eimfach nur ein Original. Hier isser unser Hebbert.


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