Ganzjahresweihnachten

Hebbert HonselmeierWar ich die Tage ma wieder bein Birkan anne Bude wegen ein Bier für bei mein Sauerbraten.
War auch der Hebbert Honselmeier da und sacht für mich:
„Sssammaa, Bohoffski, iss einklich schon widder Weinachten?“
„Nee, Hebbert,“ sarich. „Is doch erst Herbst. Wie kommsse dadrauf?“
„Ja, weil ich in’n Konsum Schpeckulazius gesehn hab.“
„Aach, Hebbert,“ sarich wieder. „Dat is doch inzwischen so, date Weinachtssachen schon im Herbst kriegen tus.“
„Jawie? Warum dat denn? Issoch erss an Weinachten, wenn Weinnachten is.“
„Hebbert, wenn dat einer weiß, warum dat so is, dann bis Du dat,“ heiz ich die Schnapsdrossel an.
„Boohoffski, Du verstehsss mich. Birkaan? Mammanoein, uuund fürmeinfreundhier auch.“
„Und?“ fracht getz auch der Birkan. „Warum gibtat  Weinachtssachen schon mitten im Herbst?“
„Proohst!“ seibert der Hebbert vor sich hin. „Biirkaan, Du  verstehssat nich. Du kennsat alles ja gaanich.“
„Hebbert,“ sacht der Birkan, „Ich bin zwar Moslem, aber ich bin hier geborn und aufgewachsen. Ich weiß dat schon, wat inne christliche Kultur so abgeht.“
„Biirkaan, Du verstehssat nich! Dat hatoch gaanix mite Kulltuhr sssu tun.“
„Und womit hat dat zu tun?“ frach ich wieder dazwischen.
„Miten Oohsserhaase hatat ssu tun.“
„Miten Osterhase? Aber is dat nich auch …“
„Booohoffski, Du verstehsssat nich! Dat hat mite Verpackung sssu tun.“
„Ach,“ sarich. „Du meinz also, datse die Osterhasen von Ostern einfach neu als Weinachtsmänner einpacken?“
„Boohoffski, Du verstehss mich. Uund weilse dat Ssseuch nich so lange aufbewahrn könn, haunse dat schon in Herbst wieder raus. Weilet sonz schlecht wird. Kauft ja sonz keiner.“
„Und wat is mit den Spekulazius und mit den Lebkuchen und dat andere Zeuch? Dat is ja offensichtlich frisch,“ sacht der Birkan.
„Du verstehssat nich, Birkaahn!“ sachter, grabbelt mite rechte Hand nache Tekenkante und rudert mite linke ein bissken inne Luft rum, weiler ma wieder den inneren Seegang ausbalangsiern muss. „Dat machen die, weil dat doch sonss komisch aussehn tut, so Weihnachssmänner in’n Sommer. So ganss alleine. Da ziehnse Weinachten eimfach vor. So machen die dat! Aber ich fintat gut. Weinachten is dat immer so schön gemütlich. Mmit Glüwein un so.“
Sacht dat, schielt in sein Pinnken und lallt: „Biirkaan? Mammanoein, uuund fürmeinfreundhier auch.“
„Tja,“ sarich fürn Birkan, „Wenne dat aus den Blickwinkel siehs, kricht dat Ganze wieder Sinn. Dann is nämlich die Zeit zwischen Ostern und Weinachten nich so lang. Musse nich so lange aufe Kalorienbomben warten. Fehlt nur noch der Glühwein im Sommer. Nennse dann ‚Sommerglüh‘, oder so. Vielleicht solltenwe ma den Antrach stelln, datse Advent von Juni bis Dezember machen und füre Osterzeit nen Advent von Januar bis Mai einführn. Mit Glühwein, Weinbrandbohnen und Liköreier. Nur fürn Hebbert. Der hat ja sonz nix zu lachen. Und die Sommersonne sieht der ja sowieso nie, weiler immer bei Dich inne Bude is. Da könnse für den auch ma ein Ganzjahresweihnachten einführn. Weil dat so gemütlich is.“
Sarich und zwinker den Birkan dabei an.
Hebbert visiert mich mühselig an, kommt bedrohlich näher und hält sich dann mit eine Hand anne Teke fest, mite andre versuchter meine Schulter zu erwischen.
„Boohoffski,“ seibert er mich ein bissken weinerlich im Ohr. „Dat würdsse für mich machen? Boohoffski, Du bissen echten Freund. Biirkaaan? Mammanoein, uuundfürmeinfreundhier auch.“


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