Geblendet

BoffskiKam die Tage ma wieder der Günna Skripschak bei mich vorbei.
„Samma, Boffski,“ sachter so für mich. „Kannze mich ma inne Stadt fahrn?“
„Jawie, Günna? Du has doch selber ein Auto. Oder musse beim Arzt und kannz anschließend nich mehr fahrn, weiler Dich mit Drogen zudröhnt?“
„Nee, ehrlich, ich mach dat gaanich sagen,“ druckster rum.
„Sach bloß die Karre is schon wieder inne Werkstatt?“ frach ich.
„Jau.“
Der Günna war richtich geknickt. Da hater sich ein schönet Auto gekauft, meinter jenfalls, und dann is die Karre ständich inne Wicken.
„Und?“ frach ich. „Wat isset diesma?“
„Ich glaub, getz isset endgültich Schrott. Ich tu die Karre wech.“
„Janee, Günna, wat is denn getz schon wieder? Sach doch ma!“
„Ich bin im Graben gefahrn.“
„Eimfach so?“
„Nee. Wegen ein andern.“
„Komm, Günna,“ sarich. „Getz lass Dich die Würmer doch nich so ausse Nase ziehn.“
„Ach, Boffski,“ sachter. „Bisse auch schomma geblendet worn?“
„Dauernd,“ sarich. „Versuchense doch überall. Brauchs nur die Glotze anmachen. Alle wollnse Dich unter die Vorspiegelung vonne falschen Tatsachen irgensein Plastikscheiß oder Parfüm oder sowat  andrehn und tun ein mit schöne Worte blenden.“
„Nee,“ sachter. „So mein ich dat doch gar nich. Ich mein, so richtich. Inne Nacht bein Autofahrn. Miten Scheinwerfer.“
„Jau,“ sarich. „Dat auch. Sach bloß Dich hamse geblendet und Du bis im Graben gelandet, oder wat?“
„Jau. Ich war ja aufe Versammlung vonne Gewerkschaft in Münster gewesen. Und wie ich abends dann nach Hause fahr, blendet mich auf eima einer von die Spacken aufe andre Spur voll an. Eimfach so. Ja, und vor Schreck hab ich dann den Lenker verrissen und bin inne Botanik gelandet.“
„Und wat has Du vorher gemacht?“
„Wie meinze dat denn getz?“
„Ja, Du muss doch auch wat gemacht haben. Sonz blinken Dich die Leute doch nich an. Hasse ma wieder am Stellrädken gespielt und has Deine Scheinwerfer zu hoch eingestellt?“
„Nö. Einklich wie immer. Nur so, dat ich auch orntlich wat sehn tu.“
„Ah!“ sarich. „Da hamwat!“
„Wieso dat denn?“
„Doch zu hoch eingestellte Scheinwerfer. Dat machsse immer!“
„Quatsch. Ich muss doch wat sehn.“
„Aber dann sehn die andern nix mehr, weilse von Deine Flutlichtanlage geblendet sind.“
„Boffski,“ sachter. „Ich muss doch wat sehn inne Nacht. Dafür hab ich doch extra ein Esjuwie mit große und helle Scheinwerfer gekauft gehabt. Dat is wegen die Sicherheit, verstehsse?“
„Tja,“ sarich. „Sicherheit. Getz versteh ich auch, warume Dich so ein Laster angeschafft has.  Wenne unbedingt den gesamten Schwarzwald von hier aus ausleuchten muss, blenden die andern Dich mit Recht an. Und dann landesse  im Graben.  Is ja logisch, date dann so ein Brummklotz mit die ganzen übertriebenen Sicherheitssysteme brauchss. Hasse ja getz gesehn. War hell, nä?“
„Wie is dat getz? Willze weiter auf mich rumhacken oder fährsse mich ma inne Stadt?“ frachter mit ein ziemlich angefressenen Ton inne Stimme.
„Is ja gut,“ sarich. „Einklich müsst ich Dich ja laufen lassen. Aber Du kris dat fertich und landes auch noch zu Fuß im Straßengraben. Nee, da fahr ich Dich lieber hin. Wat willzen da? Baustrahler kaufen? Damite zu Hause den Gaaten ausleuchten kannz? So für gegen Einbrecher? Damit die geblendet sind und dann völlich irritiert bein Nachbar inne Botanik landen?“
Der Günna war die ganze Zeit so komisch ruhig, wie we inne Stadt gefahrn sind.


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