Gesichtserkennung

Hebbert HonselmeierHömma! War ich die Tage ma wieder bein Birkan anne Bude gewesen. Bierken für bei mein Sauerbraten holn. Und wen seh ich da? Logisch. Den Hebbert Honselmeier. Der hatte den Kanal schon wieder voll. Mitten an Mittach.
„Hebbert!“ sarich fürn Hebbert. „Und? Allet paletti?“
Hebbert versucht mich anzukucken, glaub ich. Wenichtens hater versucht, die Augen von sein Pinnken wegzukriegen und den schweren Kopp in meine Richtung zu drehn.
„Aaahach Boohoffski, Duhbissat. Machssen hier?“
„Hebbert, dat weisse doch. Bierken holn für bei mein Sauerbraten. Is doch immer dat selbe. Aber sach ma, wat is mit Dich? Is dich nich gut?“
Dat hab ich gefracht, weil der Hebbert irgenswie komisch ausse Wäsche gekuckt hat. Der kuckt ja einklich immer komisch ausse Wäsche, besonders, wenner schon über sein Pegel drüber is. Aber an den Tach hater so ein Ausdruck inne Fisasche gehabt, wie als wenn ihn einer gesacht hätte, dat et ab morgen kein Schnaps mehr gibt.„Ich brauch ne Brilllle, sacht der Ahhzt.“
„Wahrscheinlich ne Sonnenbrille mit undurchsichtige Gläser, damiter sich morgens nich dat Knautschgesicht im Spiegel ankucken muss,“ murmelt der Birkan leise in meine Richtung und grinst sich ein.
„Databichgehöhrt,“ sabbert der Hebbert und versucht dabei, sich in den Birkan seine Richtung zu drehn.
„Glaubsse etwa, Duh siehss bessser aaus?“
„Janee, Hebbert, der Birkan meint dat doch nich böse. Der macht sich nur Sorgen um Dich, verstehsse?“ versuch ich den Streit ganich erst aufkomm zu lassen.
„Nee,“ sachter drauf und sucht langsam den Raum ab, um herauszufinden, wo ich grad steh. Wie er mich gefunden hat, drehter sich wieder inne andre Richtung, sucht wieder den Raum ab, bleibt mit sein Blick an den Birkan häng und sabbert: „Biiirkaaahn? Mammanoein, uuund fürmeinfreundhier auch.“
„Hebbert,“ sarich fürn Hebbert. „Dat is ja gut gemeint, aber ich glaub, wenne getz noch ein trinks, musse wieder im Krankenhaus. Ich glaub, et is besser, wenne getz nach Hause gehss.“
„Wiehsoh dattenn? Ein kannichnoch,“ sacht dat, will die Teke loslassen und mite Arme fuchteln, überlechtet sich dann aber anders.
„Mann, Hebbert,“ geht der Birkan dazwischen. „Kuck domma im Spiegel. Dann weisse, warum.“
Hebbert sacht nix weiter dadrauf, macht nur ein spitzen Mund, zieht die Augenbraun zusamm und versucht mühsam den Birkan im Visier zu nehm.
„Dat is der Birkan,“ sarich kurz. „Kann dat sein, date Schwierichkeiten mite Gesichtserkennung has? Und date deshalb ne Brille brauchss?“
Drehter sich gaaaanz langsam nach links, weiler vermutet, dater mich da findet und sacht:
„Jau. Datis iiimmer aaallet so unschaahf.“
„Da hilft auch ne Brille nix,“ murmelt der Birkan noch leiser, so datt nur ich dat hörn kann.
„Ach so, und deshalb brauchsse getz ne Brille. Wegens die Gesichtserkennung,“ nehm ich den Faden wieder auf.
„Jau.“
„Dann müsstesse einklich so ne Brille haben, wiese getz die chinesische Pollezei kricht. Habich inne Bildzeitung gelesen. Die ham getz Sonnenbrillen mit automatische Gesichtserkennung.“
„Mann!“ sacht der Birkan erstaunt. „Dat find ich praktisch. Die Schlitzaugen kannze ja sonz ganich aussenander halten. Da weisse endlich, ob dat getz der Tsching oder der Tschang is, der dich gegenüber steht.“
„Janee,“ sarich dadrauf, ohne auf seine komische Bemerkung einzugehn. „Fürn Hebbert wär sone Brille Gold wert. Dann könnte der getz noch ein Schnaps trinken und wüsste trotz sein Kreuzblick, wener noch ein ausgibt und wener nachher dat Geld geben muss.“
„Geld wär ma gut,“ sacht der Birkan dazwischen. „Der Hebbert lässt immer anschreiben.“
„Und für am Morgen nachen Aufstehn is sowat auch gut,“ ignorier ich den Birkan sein Einwand. „Dann weisser mit ein Blick, dat der müde, knautschige Kamerad im Spiegel nich die olle Schickedanz is, die durchen Fenster kuckt, sondern er selber. Da krichter nich schon am Morgen so ein Schreck. Jenfalls nich son großen.“
Hebbert kuckt mich an, glaub ich, lässt mit gespreizte Finger die Teke los, dreht sich mühsam um, wankt bis anne Tür, stößt miten Kopp am Türrahmen an, merkt davon nix und murmelt vor sich hin:
„Dat mitie Schiiihickedaanss wusstich noch nich. Moorgn geh ich beim Ooohoptiker. Vielleicht haterja sone Brille für mich.“
„Bezahln kannze dann morgen nachen Optiker,“ ruft ihn der Birkan noch nach.
Hebbert versucht abzuwinken, verliert dat Gleichgewicht und misst den Bürgersteich aus.
„Puh,“ sarich fürn Birkan. „Dat is manchma ganz schön schwer, den Hebbert klar zu machen, datter genuch hat. Gib mich ma nochen Bierken, Birkan.“


Abstimmen:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (2 Stimmen, Wertung: 5,00 von 5)

Und nich vergessen:
Meine Storris gibtat auch als Buch.
Da stehn auch Geschichten drinne, die Du hier im Internetz nich lesen kannz.
Kuck hier