Gesundheitskaate

BoffskiWar ich die Tage bei mein Herr Dokter. Ich hatte dat ma wieder im Kreuz und brauchte wat für zum einnehmen. Ja, und wie ich da inne Praxis vor die Teke steh und für dat neue Quartal die Kaate abgeb, sacht die Schakeline, wat ja die Kurze von den Ecki Hörbers is, für mich:
„Nee, Herr Boffski. Die Kaate gildet nich mehr.“
„Jawie, jawat?“ frach ich ein bissken überrascht. „Wieso dat denn getz nich? Die is doch ganz neu.“
„Da is kein Bild drauf,“ sachtse.
Hebbert Honselmeier„Äh,“ sarich und will grade anfang, die Schakeline auszufragen, da geht die Tür auf und der Hebbert Honselmeier kommt bein Dokter aussen Raum gestolpert.
„Hebbert,“ sarich. „Wat machs du denn hier?“
„Häh?“ schielter mich an. „Aahach Duubissat, Boohoffski. Machssen Du hier?“
„Hebbert, dat hab ich Dich doch grad gefracht!“ sarich zurück.
„Herr Boffski! Tach, wie isset?“ geht der Herr Dokter dazwischen. „Wieder wat miten Rücken?“
Also, dat muss man unsern Herr Dokter lassen. Ein Blick und die Diagnose steht.
„Schackeline, mach ma ein Rezept für den Herr Boffski fertich. Einma ne fuffziger Tomapürin und einma ne fümmenzwanziger Togal. Unterschreib ich dann gleich.“
„Ja, aber die Kaate is doch nich gültich,“ jammert dat Mäusken kleinlaut dazwischen.
Schrecksekunde. Allet still. Wie als wenn einer die Zeit angehalten hätte. Um Himmels Willen. Da kommt einer mit ne ungültige Kaate inne Praxis. Ein Ungläubiger auf heiligen Boden. Ungültige Kaate heißt, dat die Kasse für den nich zahlt. Wat getz?
„Hömma!“ durchbrech ich dat peinliche Schweigen. „Ich hab doch grade gesacht, dat die ganz neu is. Wieso is die denn getz auf eima nich mehr gültich?“
„Ja, richtich, Schackeline, wieso nich?“ fracht der Dokter.
„Jaaawiiesoonich?“ lallt der Hebbert dazwischen.
„Da is kein Bild drauf,“ säuselt die Schackeline kaum hörbar inne Runde.
Der Herr Dokter richtet sich auf, dreht sich um und sacht im Weggehn:
„Also, dann kann ich Sie nix verschreiben.“
Da stand ich getz.
„Ja, aber wie nu? Und wo krich ich meine Pillen her?“
„Da müssense ma bei Ihre Krankenkasse nachfragen,“ erklärt mich die Schackeline dat. „Ohne Bild darf der Herr Dokter nix für Sie tun. Könnte ja sein, datse mit die Kaate von ein andern komm. Ohne Bild dürfen nur Leute unter fuffzehn und Leute, die dat miten Bild nich zuzumuten is, behandelt wern.“
„Äh, Leute,“ sarich. „Ihr kennt mich doch alle. Oder wollter getz auch mein Ausweis dabei sehn, damit dat klar is, dat ich wirklich ich bin? Vielleicht auch noch ne Lebensberechtigungskaate dazu, oder wat? Und vielleicht auch noch den Stammbaum und den Nachweis, dat mein Uroppa wirklich mein Urpoppa is?  Hömma, die Kaate is doch neu. Habich vonne Krankenkasse so gekricht. Wat soll dat denn getz? Wollter mich veraaschen, oder wat? Wo is die Kamera?“
„Häh?“ schielt mich der Hebbert an. “ Watnfürne Kammmeraa? Kommmich getz im Fernnseehn?“
„Hier Herr Honselmeier, Ihre Kaate.“ Statt mich ne Antwort zu geben is die Schackeline ein bissken aufgestanden, weil den Hebbert sein Schiff grade wieder ne Kurve gefahn is und er den Kontakt anne Teke verlorn hatte.
„Kaate? Wat fürne Kaate?“
„Ihre Gesundheitskaate,“ sachtse.
„Aso! Mammanoein. Uuundfüürmeinfreundhier …“ willer grade sein Spruch aufsagen, wie er merkt, dater gaanich inne Kneipe is.
Dabei kuck ich so auf den Hebbert seine Kaate.
„Der Hebbert hat ja auch gakein Bild da drauf. Und der wird trotzdem behandelt? Hömma! Wat soll dat denn?“
Da kuckt der Dokter umme Ecke und meint leicht brastich:
„Der Herr Honselmeier gehört zu die Gruppe, die auch ohne Bild behandelt werden darf.“
Jau, denk ich mich. Dat glaub ich sofort. Die Fisasche kannze eimfach nirgenswo draufmachen. Da krisse doch Angst bei, date Dich bein anpacken anstecken tus.
„Komm Hebbert. Diese verdrehte Gehirnakrobatik is mich aufen Magen geschlagen,“ sarich fürn Hebbert. „Lass uns ma kucken, ob wenichstens der Birkan noch ein Bisken Medizin für uns hat. Ich glaub, auf den Schreck muss ich doch ein Schnaps haben. Sonz halt ich den ganzen bürokratischen Schwachsinn  eimfach nich aus.“
„Booohoffski,“ hakt sich der Hebbert grinsend bei mich ein. „Du verschtehss mich.“


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