Innere Einkehr

BoffskiLetzte Tage hab ich ma wieder den Günna Skripschak getroffen. Der Günna is ja immer voll im Gesundheitswahn und is ständich irgenswie am rumzappeln. Diesma wollter mich überreden, mit ihn aufe Walz zu gehn.
„Boffski,“ sachter für mich. „Wat hältsse davon, wennwe ma beide wandern gehn? Dat is getz der große Haip.“
„Der wat?“ frach ich ihn.
„Na, dat is voll der Trend. Getz sindse doch alle unterwechs nach Spanien. Pilgerreise und so, weisse?“
„Wandern,“ sarich und kuck an mich runter so weit et geht. „Pilgerreise. Bis nach Spanien. Samma, gehtet noch? Wat glaubsse, wie weit ich kommen tu?“
„Ach,“ sachter zurück. „Mach Dich dadrüber ma kein Kopp. Dat Träning kommt bein Laufen. Wir müssen ja nich den Jusseihn Bolt Konkurrenz machen. Dadrum gehtet ja auch gaanich.“
„Jawie?“ kuck ich ein bissken komisch ausse Wäsche. „Wodrum gehtet denn sonz, wenne umme halbe Welt laufen tus? Willz doch auma ankomm. Wenne so läufs wie wennze nachen Sauerbraten ne gemütliche Runde umme Kollenie drehs, kommsse doch nie an.“
„Dat is mehr so für die innere Einkehr,“ sachter mit ein schlauet Gesicht für mich. „Damite ma auf Dich selber reflektieren tus. Damite ma den Kopp frei kris und in Bewegung komms. Son Bissken Anstrengung zwischendurch is nämlich nich verkehrt. Dat tut Dich nur gut.“
Au weia, denk ich mich. Da hater wieder ein schlauet Wort aufgeschnappt, der Günna. Sobald ihn einer irgenswat sacht, wo ein schlauet Wort drin vorkommt, denkter, datt dat ganz toll is, wenner dat selber benutzen tut und macht ein auf Schlaumeier. Da fährter dann voll aufen Trend ab. Hauptsache et is ein schlauet Wort irgenswo da drin. Is wie bei die Reklame in Fernsehn. Die mit die Formel. Keiner weiß, wat dat is, diese ominöse Formel, aber alle denken: „Boh, wie toll!“
„Samma,“ sarich so für ihm. „Bisse getz untere Heiligen gegang?“
„Wieso? frachter zurück.
„Na, Pilgerreise und so. Hab ich ma in Fernsehn gesehn. Da latschen doch immer die Leute nachen Komposthaufen oder wie dat heißt und kucken sich die Gräten von so ein Heiligen an, wo noch nichma klar is, dat dat überhaupt den seine Gräten sind. Und dann tunse alle so wie als wennse selber heilich wärn und freun sich, datse zwei Paar Schuhe durchgelatscht haben.“
„Boffski,“ sachter wieder. „Dadrum geht dat doch gar nich.“
„Jawie,“ kuck ich getz komisch ausse Wäsche. „Wieso machen die denn sonz alle ein auf Heilich?“
„Dat is doch nur son Ding, wate brauchs, damite ein Ziel has. Einklich gehtet doch nur dadrum, date ma ein Bissken Zeit für Dich selber has und schön auf Dich selber reflektiern kannz.“
„Hömma! Günna!“ sarich getz auch mit ein schlauet Gesicht. „Wenn ich ma auf mich selber reflektiern will, geh ich aufen Klo. Da hab ich Zeit für mich. Und an nix denken tu ich da auch. Und manchma is dat sogar richtich anstrengend. Nur der Weg dahin is nich ganz so weit.“
„Boffski,“ sachter. „Du bis nich zu retten.“
„Nee,“ sarich zurück. „Ich bin ja schon gerettet. Dat is nämlich dat Ergebnis vonne innere Einkehr.“


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