Archiv der Kategorie: Kultur

Adzwenzkalender

Hebbert Honselmeier„Und?“ sarich so zum Hebbert Honselmeier, wie ich die Tage wieder ma bein Birkan anne Bude gewesen war, Bierken für bei mein Sauerbraten holn. „Hasse auch schon Dein Adzwenzkalender anne Wand?“
Kuckter mich schräch vonne Seite an und meint: „Häh?“
„Adzwenzkalender, Hebbert,“ sarich kurz für ihm. „Kennze doch noch, oder?“
„Jaklaaar kennich n Ahtzwenzkalenner. Wat glaubssuudenn?“ sachter und wackelt anne Theke rum.
„Und?“ frach ich. „Hasse getz ein oder nich?“
„Nee. Kannichmich nich leissen. Issu teuer. Ichab ja nur Harssvier.“
Dreh ich mich bein Birkan um und sach so für ihm:
„Samma, Birkan? Wie is dat? Wat hältsse davon, ein Adzwenzkalender nur fürn Hebbert aufzuhäng? Dann hat der auch ein bissken Adzwenzgefühle.“
„Nee, Boffski, kann ich nich machen. Dann woll die andern Stammgäste auch alle ein haben.“
„Aaach,“ sarich. „Dat kriegenwe schon hin. Dat is doch ein vorweihnachtlichen Notfall. Die verstehn dat schon.“
„Na, wenne meinz…,“ sachter mit ein Augenzwinkern. „Aber wat tunwe im Adzwenzkalender rein?“
„Is doch klar, Birkan. Da komm diese klein Schnapsfläschkes rein. Jeden Tach ne andre Pulle. Dann is dat wat Persönlichet.“
„Und wer bezahlt dat?“ Will Birkan wissen. Der is als Budenwirt ja drauf angewiesen, dater mit sein Gesöff Geld verdien tut.
„Aaach,“ wink ich ab. „Da machenwe eimfach ne Sammlung beie Budengäste. Wenn jeder den Schnaps dafür spendet, den der Hebbert ihm ausgeben will, hamwe ruckzuck den Kalender voll.“
Der Hebbert glaubt echt, dat we ihn ne Freude machen wolln und er sacht mit ein bissken Pippi inne Klüsen:
„Hööömmaa?! Dat wollter ächt für mich machen? Nee, nä? Boah … Birkaahn? Mammanoein, uuund fürmeinfreundhier auch.“
„Janee, danke Hebbert,“ sarich für ihm. Und fürn Birkan sarich: „Tu dafür ma lieber dat erste Fläschken anne Seite. Spende ich fürn Adzwenzkalender.“
Kuckt mich der Birkan mit ein Grinsen an, sacht aber nix, schüttet den Hebbert nochma dat Pinnken voll, nimmt ein Pülleken ausssen Papkartong und tut et anne Seite legen. Der Hebbert kommt mit sein vollet Pinnken bedrohlich auf mich zugewankt, versucht meine Schulter zu treffen, kuckt mich an, glaub ich, und sacht für mich:
„Boohoffski, Du weiss wodraufet beie Ahtsswentssseit ankommen tuht. Du bissen echten Frooind. Prost.“

Ich hab dat Pülleken am Ende dann doch bezahlt. Kannz den armen Kumpel ja nich so auflaufen lassen. Schließlich weiß ich ja, wodrauf et inne Adzwenzzeit ankommen tut.


Abstimmen:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (7 Stimmen, Wertung: 5,00 von 5)