Kunstverständnis

War ich die Tage ma wieder bein Birkan anne Bude gewesen. Bierken für bei mein Sauerbraten holn. Natürlich war auch der Hebbert Honselmeier da. Und wie we so über allen möglichen Kram am simuliern sind, kommt auf eima Kucklinskis Marcel durche Tür.
„Kucki,“ sarich. „Wie is? Wat treibt Dich her?“
„Tach zusamm,“ sachter. Und bisken komisch für unsern Budenwirt: „Birkan? Mach mich ma ein Pilsken auf.“
Birkan plöppt die Granate auf, gibtse beim Kucki rüber und sacht: „Allet in Ordnung bei Dich?“
„Nee,“ sachter mit ein Gesicht, wie als wenner grade ein Zitronensalat gegessen hätte. Und nimmt erssma ein langen, langen Zuch ausse Pulle.
„Mammanoein,“ sachter danach und haut die leere Pulle mit Schmackes aufe Teke.
„Häh?“ wird auf eima auch der Hebbert aufmerksam und kuckt von sein Pinnken hoch. Zumindest versuchter dat. „Neehee?! Ichab nixesacht!“
„Nee, Hebbert, is schon gut,“ sacht der Birkan und gibt den Kucki dat zweite Pils rüber. „Samma, Kucki, wat is denn getz los?“
„Jau,“ schalt ich mich ein. „Wat is passiert, Kucki? Hasse ein Gespenst gesehn, oder warum bisse so feddich mite Welt?“
„Ich war in ein Museum gewesen.“
Auf eima waret still inne Bude. Hättesse selbs ein Darmstätter inkognito gehört, wenn der getz ein ausse Ritze gefahrn wär. Dat war ne Sensazion. Kucki in ein Museum! Dat is so wie wennze mit ein toten Affe Lapaloma singen wolltes. Hömma! Dat konnte nur mit seine neue Tussi zu tun haben, die er die Woche vorher angebaggert hatte.
„Fraungeschichten?“ frach ich nur kurz.
„Hmmmhmm!“ Kucki nickt, wie er die Pulle langsam wieder absetzt. „Dat war sone Studierte,“ sachter dann leicht pikiert.
„Janee, Kucki,“ sarich zurück. „Dat kannze ja vorher nich sehn. Steht ja nich drangeschrieben. Dat bis Du nich in Schuld.“
Ich wusste getz zwar nich genau, wodrum dat einklich ging, aber wenn der Kucki in ein Museum landet, dann muss dat schon ne mittlere Katastrophe gewesen sein, wat der arme Junge erlebt hat. Sowat macht der nich freiwillig.
„War die einklich älter als wie Du?“ fracht der Birkan.
„Birkan,“ sarich. „Dat geht uns doch garnix an. Nee, Kucki, aber sach ma, wie war dat denn so im Museum? War dat so schlimm gewesen?“
„Boah,“ sachter. „Die wollte da umbedingt hin. Weilse da immer so schön in Stimmung kommt, hatse gesacht. Naja, hab ich mich gedacht. Wennse dann orntlich in Stimmung kommt, dann geh ich da ma mit hin.“
„Und?“ frach ich, wie Kucki ne kurze Pause einschiebt, um den Rest ausse Pulle zu saugen.
„Die is lesbisch,“ sachter und kurz hinterher: „Birkan?  Mammanoein.“
Wieder Stille inne Bude. Nur der Hebbert poltert dazwischen:
„Häh? … Neehee?! Ichab nixesacht!“
„Kucki,“ fracht der Birkan, wie er die dritte Pulle aufhebelt und rüberreicht. „Wie kommsse denn dadrauf, dat die lesbisch is?“
„Die hat sich dauernd so Bilders mit dicke nackte Weiber angekuckt,“ sachter. „Und richtich dabei rumgeschwärmt hatse. Und irgensein Kokolores erzählt, von den ich nich ein Wort verstanden hab. Weiberkram ebend. Naja, und wiese dann aufen Klo gewesen war, hab ich nen Abfluch gemacht. Dat war mich echt zu komisch.“
Der arme Kucki. Dat muss ein Schock fürs Leben gewesen sein.
„Und getz bisse wieder mit die Maus aussenander?“ will ich wissen.
„Jau,“ sachter. „Hömma! Wat soll ich denn mit so eine vom andern Ufer? Und wenn ich dicke nackte Weiber sehn will, mach ich dat Internetz an oder stell mich bei die olle Schickedanz vorm Schlafzimmerfenster. Dafür brauch ich nich im Museum gehn.“
„Jau,“ sarich. „Da is dat mit dat Kunstverständnis schon ein bissken einfacher, bei die Schickedanz. Dat glaub ich Dich.“
„Janee, getz ma in Ährlich!“ frachter allen Ernstes. „Wat is denn an son paar dicke, nackte Weiber einklich Kunst? Wo is der Unterschied zwischen dat Zeuch im Museum und dat Zeuch im Internetz?“
„Hmmm,“ sarich und kuck den Hebbert an. „Wenn dat einer weiß, dann is dat der Hebbert. Nich Hebbert? Du kenns den Unterschied, nä?“
Hebbert kuckt leicht hoch, kuckt in sein Pinnken, kuckt wieder hoch, weiß nich, water zuerst sagen soll und sacht dann:
„Jaklaar. Boohoffski, Du verschtehss mich. Biirkaahn? Mammanoein, uuundfürmeinfreundhier auch.“
„Und,“ frach ich weiter, wie er dat Gift in sein Bart verteilt hatte. „Wo is getz der Unterschied zwischen die Bilder im Internetz und die Bilder im Museum?“
„Kllleiinne dicke Ehengelkes!“ krichter grade so raus.
„Stimmt,“ sacht der Birkan ganz spontan. „Im Internetz sind nie Engelkes dabei.“
Wieder allet still inne Bude. Und alle kucken Birkan an.
„Äääh …,“ sachter. „Ne Runde aufs Haus. … Alle wie immer?“
 

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