Nahrungskette

Der Kurze von unser BärbelBin ich letztens, wie unser Bärbel ma wieder auf Mittachschicht im Krankenhaus gewesen war, rüber, weil ich ja immer aufen Kurzen aufpassen tu, wennse nich zu Hause is.
Hömma!
Ich komm bei ihm im Zimmer und bin fast ausse Latschen gekippt. Da war ein Mief inne Bude gewesen, dat kannze Dich nich vorstellen.
„Boah, nee äy!“ sarich für den Kurzen. „Wat has Du denn hier gemacht? Dat müffelt ja wie inne Fabrik für Zitronenpuder.“
„Dat is für gegen die Mücken,“ sachter zurück. „Hab ich inne Drogerie gekauft.“
„Für so ein Scheiß gibt die Mamma Dich Geld?“ frach ich. „Da macht man doch besser Gitter anne Fenster, damit die ollen Saugmonster ganich erst reinkommen tun.“
„Nee, dat hab ich von mein Taschengeld gekauft.“
„Pass ma auf,“ sarich. „Für so ein schemischet Zeuch brauchsse Dein Taschengeld nich ausgeben. Da kommsse eimfach rüber und sachss mich, wat ambach is. Ich kuck dann ma, wie man dat
irgenswie im Griff kriegen kann. Aber ma wat andret. Hasse schon Schularbeiten gemacht?“
„Nee. Dat mach ich auch nich mehr,“ sachter in ein ziemlich brastigen Ton und verschränkt die Arme.
„Ja, wieso dat denn wieder nich?“ frach ich.
„Die erzähln ein da doch nur Scheiß!“ maulter rum.
„Nanana,“ sarich. „So kannze dat aber aunich sagen.“
„Doch!“
„Nein.“
„Doch!“ Getz wurd er erst recht brastich. „Und ganz besonders in Naturkunde! Da erzählt uns die Frau Hübenschmidt-Gronau völligen Blödsinn!“
„Wie kommsse denn dadrauf. Dat is doch einklich ne ganz Patente. Ich hab dat Gefühl, dat die sich ganz gut auskennt,“ sarich in ein ruhigen Ton, damit der Kurze ma vonne Adrenalinwelle
runterkommt. Hat aber nich geklappt. Stattdessen hater sich noch mehr aufgerecht.
„Die und Ahnung? Die hat uns ein erzählt, dat der Mensch am oberen Ende vonne Nahrungskette wär. Dat stimmt aber überhaupt nich!“
„Wie kommsse denn dadrauf? Et gibt doch kein anderet Tier, wat intellenter is, als wie der Mensch. Und deshalb frisster allet, wat ihn inne quere kommt. Sogar Fertichfutter aussen
Supermarkt. Also: Wenn dat nich dat letzte Ende vonne Nahrungskette is, dann weiß ich aunich mehr. Oder bisse da besser informiert?“
„Und wat is mite Mücken? Warum wollen die uns dann auffressen?“ frachter mit ein leicht weinerlichen Ton inne Stimme. „Dat mit die Nahrungskette stimmt garnich!“
„Hömma!“ sarich in ein versöhnlichen Ton. „Dat is doch ganz eimfach. Die Mücken sind so klein, die haben gar kein Gehirn. Die können sich nich wirklich wat merken. Die wissen dat mit die
Nahrungskette eimfach nich. Sonz würdense sich ja dran halten. Da kannze die Frau Hübenschmidt-Gronau nich vorwerfen, datse wat Falschet erzählt.“
Kuckter mich mit ein ziemlich sauret Gesicht an, sacht nix weiter, zieht dann sein Naturkunde-Heft ausse Schultasche und fängt still mite Schularbeiten an.
Morgen mach ich ihm Gitter vore Fenster. Von wegens die Nahrungskette wieder in Ordnung bringen, verstehsse?


Abstimmen:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (4 Stimmen, Wertung: 5,00 von 5)