Rejon

Hebbert Honselmeier„Sssaammaa!?“ lallt mich der Hebbert Honselmeier gestern vonne Seite an, wie ich ma wieder ein Pülleken Bier für bei mein Sauerbraten vonne Bude holn will.
„Sssaammaa!? Wie warndat dammals?“
„Häh?“ frach ich, weil ich nu gaanich wusste, water getz von mich wollte. „Wat meinze denn so mit dammals, Hebbert?“
„Na, so in’n Mittelalter?“
Au weia, denk ich mich. Hebbert hat Fernsehn gekuckt. Wat kommt getz wieder?
„Janee, Hebbert. Dat is mich zu lange her. Da kann ich mich nu gaanich mehr dran erinnern,“ sarich für die Schnapsdrossel.
„Aaaber die in Fernsehn, die könn dat,“ sachter mit ein ganz überzeugten Ton inne Stimme. „Biirkaaan? Mammanoein. Uuund fürmeinfreundhier auch.“
Birkan weiß inzwischen, dat ich dat immer ablehn und kippt nur den Hebbert nochma dat Pinnken voll. Der setzt an, trifft die Futterluke nur teilweise, wischt sich den Rest aussen Bart und sacht:
„Die ham sogaar noch Filme aus die Zeit gefun’n.“
„Ach,“ sarich verwundert. „Wie dat denn?“
„Jaaa! Voll in Ährlich! Ich hab dat gessssern selbss gesehn!“
„Hebbert,“ sarich. „Dat warn bestimmt nur Schauspieler, die da wat nachgespielt ham.“
„Neeeheee?! Dat hat doch voll echt ausssgeseehn. Wie wennse dat in’n Mittelalter gedreht hättn. Die warn da mitten inne Schlacht drinne. Boah, äy!“
„Hebbert,“ sacht der Birkan dazwischen. „Sowat wird doch nur gemacht, damite Dich dat vorstelln kannz, wie dat dammals so abgegang is. Dat is nich echt. Dat is nur nachgespielt. In Mittelalter hatten die doch noch keine Kameras.“
„Echt?“ isser ganz erstaunt. „Boah, dat war abber trossdem ganss schön blöd dammals, nä?“
„Wat meinze denn getz?“ frach ich wieder zwischen.
„Na, dat mite Rejon!“
„Womit?“
„Mite Reejohoon!“
„Hebbert, ich versteh dich nich.“
„Miten Gllaube an’n Gott uuhund so. Versteehsse dat bessser?“
„Ach, Religion meinze!“
„Sarichdoch!“
„Wieso war dat denn blöd?“ fracht der Birkan. „Ersma is Religion doch wat Gutet, oder vertu ich mich da?“
Hebbert kuckt unsern Kumpel an, zieht die Augenbraun zusamm, machten spitzen Mund, versucht dabei, sein inneren Seegang im Griff zu behalten und sacht dann:
„Bisse etwa aaauch son Rejonsfuzzi?“
„Hebbert,“ lenk ich ab. „Nu sach ma, wieso dat mite Religion in Mittelalter nich so gut war. Du has ja wohl getz die Ahnung, so nach die Sendung in Fernsehn.“
„Na, weilie immer alle umgebracht ham, die nich annen Lieben Gott geglaaubt haam. Sowat findich doof! Kanns donnich eimfach die Leute umbring, weil die an ein andern Lieben Gott glaum tun!“
Leicht betretenes Schweigen inne Runde.
„Jawie? Finndsse dat etwa nich doof?“ frachter empört inne Runde. „Ich finndat doof, datse immer alle umgebracht ham, die nich an’n Lieben Gott geglaubt ham. Dat issoch nich richtich!“
„Birkan,“ sarich fürn Birkan. „Getz brauch ich auch ein Schnaps. Mamma noch ein. Und für mein Freund hier auch.“
„Booohoffski?“ sacht der Hebbert leicht irritiert. „Wieso gibsse denn getz ein aus?“
„Hebbert,“ sarich. „Hebbert. Du bis ein lieben Mensch. Auch ohne den lieben Gott. Deshalb.“
„Boohoffski,“ sabbert er mich mit Pippi inne Klüsen an. „Boohoffski. Du bis ein echten Froind.“


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