Archiv der Kategorie: Storris

Eine Sammlung von Boffski-Storris

Inne Kur

BoffskiHömma! Wie ich bein schebbigen Mattula ein schönet Siebenhundertfuffzich Gramm Stück vonne Kuh für mein Sauerbraten geholt hab, is mich auch der Günna Skripschak übern Wech gelaufen. Einklich musse fürn Sauerbraten ja toten Hottemax nehm, aber Ferd is mich im Moment zu teuer. Der Ferdemetzger nimmtet ja inzwischen vonne Lebendige. Is ja klar, weiler vonne Toten nix mehr kricht. Deshalb geh ich lieber bein Mattula, bein Schebbigen, weisse? Der is ja unsan Metzger inne Kollenie. Und bei den is dat frischer und trotzdem günstiger als wie dat abgepackte Zeuch aussen Supermarkt. Ich frach mich nur immer, wie der schebbige Kerl so ne hübsche Frau abgekricht hat.
Aber ich schweif schon wieder woanders hin.
Janee, wat ich erzähln wollte … der Günna Skripschak, nä? Der war auch bein Mattula gewesen, wat mich aber ziemlich gewundert hat. Weil, einklich wär der ja gaanich da gewesen. Ich mein, hier. Also inne Kollenie. Wech vom Hof, weisse? Im Sanatorium. Und ich sach so für ihm:
„Günna!? Wat is dat denn? Wat machs Du denn hier? Ich denk, Du bis inne Kur.“
Kuckter mich ein bissken säuerlich an und sacht:
„Die ham mich wieder nach Hause geschickt.“
„Jawie,“ sarich. „Dat ging aber schnell. Da kann dat ja nich so schlimm gewesen sein. Dat war doch noch keine Woche, date da gewesen wars.“
„Die ham mich nich wegen die Gesundheit nach Hause geschickt.“
Sacht dat und atmet erssma tief durch.
„Und wieso dann?“ der schebbige Mattula lecht den wabbeligen roten Klotz, den er grade noch inne Hand hatte aufem Hackbrett und kuckt den Günna mit sein schebbiget Gesicht an. Boah, nee, nä? Der is aber auch wat von schebbich. Kann er Kinder mit erschrecken. Wenn der mich nich immer so gute Preise für sein frischet Fleisch machen würde … aber ich bin schon wieder woanders.
„Jau,“ sarich. „Wieso hamse Dich denn dann nach Hause geschickt?“
„Ich glaub, ich habet übertrieben,“ sacht der Günna mit ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter.
„Ach Günna, komm, lass Dich die Würmer doch nich so ausse Nase ziehn,“ sarich und kuck bein Mattula rüber.
„Ja, wie ich da angekomm bin, hamse mich erssma inne Abstellkammer einquartiert. War wohl nix andret mehr frei. Überbelegt.“
„Naja,“ sarich. „Irgenswo muss die Knete doch herkommen. Jede Verordnung spült Mäuse inne Kasse.“
„Is mich schon klar. Aber wie ich dann ma inne Geschäftsleitung gefracht hatte, wat dat soll, und wie ich erwähnt hab, dat mein Nachbar der Knappschaftsälteste bei uns is, hab ich auf eima ein Zimmer mit Blick aufen See gekricht.“
„Ja,nu,“ wirft der Mattula ein. „Dat is doch noch kein Grund, Dich rauszuschmeißen.“
„Nee. Dat nich. Aber dann ging dat ja erst los. In dat schöne Zimmer ging die Dusche nich, oder besser gesacht erst nachen Tritt anne Heizung …“
„Anne Heizung?“ Mattula und ich kucken uns an.
„Jau, anne Heizung. Dat hab ich in mein Brast aber erst vier Tage später rausgefunden. Da hab ich schon gestunken wie der Pudel vonne olle Schickedanz nachen Regen. Ich hab mich ja nich im Schwimmbad getraut.“
„Wieso dat denn nich?“
„Ich hatte meine Badelatschen vergessen und …“
„Kannze doch im Sanatorium ausleihn,“ wirft der Mattula dazwischen.
„Has Du se noch alle? Da kann ich ja gleich im Fußpilz baden. Badelatschen wo schon tausend Füße drin gesteckt haben, zieh ich nich an.“
„Sind doch desinfusioniert oder wie dat heißt,“ sarich.
„Janee. Und weil ich so gestunken hab, hab ich natürlich auch in die ganzen Tage keine Anwendungen mitgemacht. Wat solln denn die Leute von mich denken?“ sachter, ohne weiter auf mein Einwand einzugehn.
„Und dann?“ der Mattula kuckt bei mich rüber wie als wenner ne Erscheinung gehabt hätte.
„Dann hab ich Fliegen im Zimmer gehabt. Und Mücken. Jede Menge Mücken.“
Mattula und ich kucken uns mit ein Grinsen an. Aber gesacht hamwe nix.
„Ja, is doch klar. Weil ich die ganze Zeit dat Fenster auf hatte. In die Bude hatet ja inzwischen gestunken wie aufe Deponie. Kannz ja nich in dein eigenen Mief ersticken. Naja, und wie ich dann nach ein Fliegengitter für vorm Fenster gefracht hab, hamse mich beie Geschäftsleitung bestellt. Miten Chefarzt. Ich hätte bis getz keine Anwendung mitgemacht, und ich wär nur am rummosern. Und weil ich et wohl anne Körperhügene vermissen ließe, hamset mich nahegelecht, dat Haus zu verlassen, damit kein schlechtet Licht auf ihre Einrichtung fallen täte. Tja, und so bin ich also nach noch nichma ne Woche wieder zu Hause gewesen. Ich möcht nich wissen, wat getz noch vonne Rentenversicherung auf mich zu kommt.“
„Ach Günna,“ sarich so fürn Günna. „Mach dich ma nich zu viele Knoten im Denkorgan. Dat wird schon allet sein Gang gehn. Schließlich hat dat doch allet mite kaputte Dusche angefang. Und ein Gutet hat der Rausschmiss schließlich doch gehabt.“
„Jawie?“ kuckt der Günna verstört zwischen den Mattula und mich hin und her. „Wat soll den dadran gut sein, wennse mich ausse Kur schmeißen?“
„Getz tusse nich mehr stinken.“


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Und nich vergessen:
Meine Storris gibtat auch als Buch.
Da stehn auch Geschichten drinne, die Du hier im Internetz nich lesen kannz.
Kuck hier

Enerdschidrink

Hebbert HonselmeierHömma, war ich die Tage ma wieder bein Birkan anne Bude gewesen. Bierken für bei mein Sauerbraten holn. Und wen hab ich da getroffen? Richtich geraten. Den Hebbert Honselmeier.
„Na, Hebbert?“ sarich so für ihm. „Allet fit im Schritt?“
„Häh?“ kuckert von sein leeret Pinnken hoch. „Aaach Booohoffskii! Duh bissat. Machsssen hier?“
Au weia, denk ich mich. Der Hebbert is wieder kurz vorm abknicken.
„Janee, Hebbert, weisse doch. Bierken holn. Aber sach ma,“ sarich so für ihm und kuck dabei kurz bein Birkan rüber. „Kann dat sein, datte ein Bissken müde bis?“
Kuckter mühsam hoch, richtet sich auf und sacht dann empört:
„Wiehsoo dattenn? Kommpssen daahdrauf? Ich binnoch noch fit wien Turnschuuuh!“
Fuchtelt dabei inne Luft rum, lässt die Theke los, verliert dat Gleichgewicht und landet fast inne Liebesromane. Enerdschidrink weiterlesen

Gesichtserkennung

Hebbert HonselmeierHömma! War ich die Tage ma wieder bein Birkan anne Bude gewesen. Bierken für bei mein Sauerbraten holn. Und wen seh ich da? Logisch. Den Hebbert Honselmeier. Der hatte den Kanal schon wieder voll. Mitten an Mittach.
„Hebbert!“ sarich fürn Hebbert. „Und? Allet paletti?“
Hebbert versucht mich anzukucken, glaub ich. Wenichtens hater versucht, die Augen von sein Pinnken wegzukriegen und den schweren Kopp in meine Richtung zu drehn.
„Aaahach Boohoffski, Duhbissat. Machssen hier?“
„Hebbert, dat weisse doch. Bierken holn für bei mein Sauerbraten. Is doch immer dat selbe. Aber sach ma, wat is mit Dich? Is dich nich gut?“
Dat hab ich gefracht, weil der Hebbert irgenswie komisch ausse Wäsche gekuckt hat. Der kuckt ja einklich immer komisch ausse Wäsche, besonders, wenner schon über sein Pegel drüber is. Aber an den Tach hater so ein Ausdruck inne Fisasche gehabt, wie als wenn ihn einer gesacht hätte, dat et ab morgen kein Schnaps mehr gibt. Gesichtserkennung weiterlesen

Bettler

BoffskiWeisse wat ich nich versteh? Bettler. Ich mein die, die besonders an Weinachten immer wie Pilze aussen Boden wachsen und in Horden inne Fußgängerzone und anne Ecke von die ganzen Supermärkte knien und ganz traurich kucken.
 
Klar gibtat viele arme Leute. Keine Frage. Zum Beispiel unsan Herr Dokter. Wat der immer über die viel zu niedrige Kostenpauschale vonne Krankenkassen am Stöhnen is, da krisse schon richtich Mitleid mit ihn.
Der hat aber auch wat anne Füße, der Arme. Die ganzen Kosten vonne Praxis mit die Mädkes Bettler weiterlesen

Fußball

Hebbert HonselmeierHömma! War ich letztens ma wieder bein Birkan anne Bude gewesen. Ebend ma schnell inne Halbzeit en Bierken holn. Und wen treff ich da? Logisch. Den Hebbert Honselmeier.
„Na, Hebbert?“ sarich so für ihm. „Heute nich vore Glotze, Länderspiel kucken?“
„Ahach Boohoffskii, Duu bissat,“ sachter und versucht, die Augen von sein leeret Pinnken zu lösen. „Birkaaahn? Mammanoein, uuund fürmeinfreundhier auch.“
„Jau,“ sarich zurück. „Ich bin dat.“
Und fürn Birkan sarich:
„Nee, lass ma gut sein. Ich hab nich so viel Zeit. Ich muss gleich wieder die Mannschaft anfeuern.“ Fußball weiterlesen

Nahrungskette

Der Kurze von unser BärbelBin ich letztens, wie unser Bärbel ma wieder auf Mittachschicht im Krankenhaus gewesen war, rüber, weil ich ja immer aufen Kurzen aufpassen tu, wennse nich zu Hause is.
Hömma!
Ich komm bei ihm im Zimmer und bin fast ausse Latschen gekippt. Da war ein Mief inne Bude gewesen, dat kannze Dich nich vorstellen.
„Boah, nee äy!“ sarich für den Kurzen. „Wat has Du denn hier gemacht? Dat müffelt ja wie inne Fabrik für Zitronenpuder.“
„Dat is für gegen die Mücken,“ sachter zurück. „Hab ich inne Drogerie gekauft.“
„Für so ein Scheiß gibt die Mamma Dich Geld?“ frach ich. „Da macht man doch besser Gitter anne Fenster, damit die ollen Saugmonster ganich erst reinkommen tun.“
„Nee, dat hab ich von mein Taschengeld gekauft.“
„Pass ma auf,“ sarich. „Für so ein schemischet Zeuch brauchsse Dein Taschengeld nich ausgeben. Da kommsse eimfach rüber und sachss mich, wat ambach is. Ich kuck dann ma, wie man dat
irgenswie im Griff kriegen kann. Aber ma wat andret. Hasse schon Schularbeiten gemacht?“
„Nee. Dat mach ich auch nich mehr,“ sachter in ein ziemlich brastigen Ton und verschränkt die Arme. Nahrungskette weiterlesen

Gefährliche Haushaltsgeräte

Hebbert Honselmeier„Hebbert!“ sarich fürn Hebbert Honselmeier, wie ich letztens bein Birkan anne Bude gewesen war. Bierken für bei mein Sauerbraten holn.
Hebbert dreht sich erschrocken um und haut dabei miten Arm den Kucki seine Bierflasche vonne Teke.
Schepper!
„Äääy!“ bölkt ihm der Kucki an. „Kannze nich aufpassen?“
Hebbert kuckt Kucki an, glaub ich, und sacht:
„Wolltich nich. Aber war doch wieso schon leer.“
„Hebbert,“ sarich für den Alkoholtester. „Dat is wegens dat Fand, verstehsse? Wenne zehn Granaten vernichtet has, hasse miten Fand die elfte raus.“ Gefährliche Haushaltsgeräte weiterlesen

Kunstverständnis

War ich die Tage ma wieder bein Birkan anne Bude gewesen. Bierken für bei mein Sauerbraten holn. Natürlich war auch der Hebbert Honselmeier da. Und wie we so über allen möglichen Kram am simuliern sind, kommt auf eima Kucklinskis Marcel durche Tür.
„Kucki,“ sarich. „Wie is? Wat treibt Dich her?“
„Tach zusamm,“ sachter. Und bisken komisch für unsern Budenwirt: „Birkan? Mach mich ma ein Pilsken auf.“
Birkan plöppt die Granate auf, gibtse beim Kucki rüber und sacht: „Allet in Ordnung bei Dich?“
„Nee,“ sachter mit ein Gesicht, wie als wenner grade ein Zitronensalat gegessen hätte. Und nimmt erssma ein langen, langen Zuch ausse Pulle. Kunstverständnis weiterlesen

Bürgerinizjative

BoffskiHömma, die Schnippenkötter, nä? Kennze doch. Die vonne Gustavstraße, die immer bei allen Blödsinn vorne mitmischt. Määänsch, kennze bestimmt. Die hat doch in letzten Jahr den Förderverein für zum Schutz von den quergestreiften Laich von die brasiljanische Schattenmorelle an den Unterlauf vom Rio Poco gegründet. Jaa, dat is die, die auch füre Trittschalldämmung inne Fußgängerzone ein Bürgerbegehren angeleiert hat. Und beie Bürgerinizjative für ein Verbot von Heizgriffe am Motorrad, von wegens die Raserei an Sonntachnammitach, isse ja auch vorne mit dabei gewesen. Weisse immer noch nich? Aber bei den Aufruf zur Unterstützung von rauchfreie Zonen in private Kindertagesstätten im oberen Kongodelta, hömma, da klingelt doch wat, oder? Bürgerinizjative weiterlesen

Innere Einkehr

BoffskiLetzte Tage hab ich ma wieder den Günna Skripschak getroffen. Der Günna is ja immer voll im Gesundheitswahn und is ständich irgenswie am rumzappeln. Diesma wollter mich überreden, mit ihn aufe Walz zu gehn.
„Boffski,“ sachter für mich. „Wat hältsse davon, wennwe ma beide wandern gehn? Dat is getz der große Haip.“
„Der wat?“ frach ich ihn.
„Na, dat is voll der Trend. Getz sindse doch alle unterwechs nach Spanien. Pilgerreise und so, weisse?“
„Wandern,“ sarich und kuck an mich runter so weit et geht. „Pilgerreise. Bis nach Spanien. Samma, gehtet noch? Wat glaubsse, wie weit ich kommen tu?“ Innere Einkehr weiterlesen