Tatort

BoffskiSonntachabend, nä? Hömma! Da geh ich immer ne Runde umme Kollenie. Von wegens die Bewegung und so. Sonz  wirsse ja steif inne Hüfte. Ich geh immer dann, wennse alle vore Glotze hängen und Tatort kucken. Ich  bin ja nich so der Krimi-Fän. Da habbich dann meine Ruhe bein Spaziergang. Die Blagen sind schon inne  Heia, Vatter hat dat Bierken aufgehebelt und sich im Sessel vasenkt und Mutter hat sich aufen Soffa inne  Decke gedreht und nippt am Likör. Der Hund hat schon längst sein Kupferkolben bein Nachbar aufen Rasen  gedrückt, dat Auto steht geputzt inne Garaasche, die Motorsäge und der Schredder ham Feierabend und die  Omma in Altersheim hat auch schon ihrn Sonntachsanruf gekricht. Is also keiner mehr aufe Straße und ich  kann ma ganz entspannt ne Runde Abstand von den ganzen Halligalli nehm, der so inne Woche anliecht. Ma  in alle Ruhe ne Nase voll Frischluft tanken, ohne dat mich einer ein Knopp anne Backe labern tut is  richtich erholsam.
Aufen Nachhausewech bin ich dann immer auf ein Pülleken Bier bein Birkan anne Bude. Weil, so ganz viel  Ruhe is dann aunich dat Richtige. Der Birkan hat ja in sein Hinterzimmer immer die Glotze an
Sonntachabend am Laufen, weil bei ihn anne Bude dann nicht so viel los is. Da kannich dann durche offene  Tür auch immer so nebenbei ein bissken wat von den Tatort mitkucken und bin aufen Laufenden, wennse an  nächsten Tach alle dadrüber am simuliern sind. Aber meistens bin ich fast alleine bein Birkan. Die  Stammkunden sitzen dann ja alle zu Hause vore Glotze. Der einzichste, der sich dann bein Hebbert HonselmeierBirkan hin  verirren tut, is der Hebbert Honselmeier.
„Sssaammaa, Booohoffskii?“ sachter letzen Sonntach so für mich. „Wiesoo kucksse aahainklich kein  Taatort? Machensedoalle!“
„Janee, Hebbert. Ich kuck doch. Kuck do ma,“ sarich und zeich miten Finger im Hinterzimmer rein.
„Dat gildet nich,“ lallter zurück. „Da krisse ja gaaniridi mit, watta loossiss!“
„Ach Hebbert,“ sarich. „Dat mussido au gaanich.“
„Häh?“ kuckter von sein leeret Pinnken hoch. „Biirkaahn?  Mammanoein, uuund fürmeinfreundhier auch.“
„Janee, Hebbert,“ sarich. „Bein Tatort musse doch gaanich wissen, wodrum et geht.“
„Häh? Wie dat denn?“ kuckt mich der Birkan miten Fragezeichen in Gesicht an, wie er den Hebbert dat  Pinnken voll macht.
„Jaaah, wiesonich?“ hängt sich der Hebbert dran, fingert miten schrägen Blick nachen Pinnken, trifftet  nachen zweiten Versuch und verteilt dat Gift in sein Bart.
„Kuck domma. Dat is doch irnxwie immer datselbe,“ sarich. „Nur mit andre Männekes und mit andre  Bösewichter. Kennze ein, kennze alle. Da musse einklich nur wissen, wer der Bösewicht is, wen der umgebracht hat und warum. Einklich reichtet, wenne kurz am Anfang reinkucken tus, eima kurz inne Mitte  ein Bissken aufpasst und wenne am Ende die Auflösung kucks. Dazwischen kannze gemütlich spaziern gehn  und wat füre Gesundheit tun. Deshalb kuck ich den Tatort ja auch hier und nich zu Hause mit unser Omma und Oppa.“
Kurze Pause. Birkan kuckt Hebbert an, Hebbert kuckt Birkan an, zumindest versuchter dat, und dann kuckense wieder mich an.
„Boffski,“ sacht der Birkan dadrauf. „Die nächste Runde geht aufen Haus.“
Kurze Pause. Ich kuck Hebbert an, Hebbert kuckt mich an, zumindest versuchter dat, und dann kuckenwe den Birkan an.
„Ja,“ sachter. „Du bis der Einzichste, den ich kenn, der lieber inne Bude geht, anstatt vore Glotze zu häng. Da habich dann ja auch wat von Deine Gesundheit. Kannich domma ein drauf ausgeben. Oder willze nich?“
Hebbert und ich ham nix weiter gesacht, sondern nur miten Kopp genickt.
Nächsten Tach bin ich nich so gut aussen Bett gekomm. Vielleicht hätt ich doch lieber zu Hause den Tatort kucken sollen … nur so von wegens die Gesundheit.


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