Telepatie

BoffskiDie Tage war ich ma wieder bein Tönne im Marktkruch für zum Kaatenkloppen. Mit den Ede Piecha und den Günna Skripschak.
„Und?“ sarich. „Wie is, Günna? Warsse wieder ma unterwechs?“
Der Günna ist ja immer irgenswie inne Weltgeschichte unterwechs und bricht sich die Gräten. Wie letzten Sommer inne Pürreneen, wo er ja bein Wandern quer durchen Geröll den Berch runtergepoltert is.
„Jau,“ sachter und kuckt in seine Kaaten. „Achzehn.“
„Habich,“ sacht der Ede. „Und? Wo warsse gewesen?“
„Inne Alpen. Für zum Drachenfliegen. Zwanzich.“
„Habich,“ Ede kuckt angestrengt in seine Kaaten. „Dat habich früher immer bei uns aufen Stoppelfeld gemacht.“
„Ede,“ sarich dazwischen. „Der Günna meint so selber fliegen. Nich Drachen steigen lassen. Verstehsse?“
„Is dat nich gefährlich?“ frachter und kuckt den Günna an.
„Nich gefährlicher als wie aufe Autobahn durche Baustelle zu fahrn. Zwo.“
„Wie kommsse denn getz dadrauf? Habich.“ Der Ede hatte wohl ein gutet Blatt aufe Hand. Obwohl, manchma kapiert der eimfach nich, dat man ihn auflaufen lässt.
„Manchma hab ich dat Gefühl, dat dat bis München runter einklich nur eine einzichste große Baustelle mit ein paar kurze Autobahnabschnitte dazwischen is. Musse höllisch bei aufpassen, date nich anne Planke langschredders. Wenne inne Luft bis, kannze nirgenswo anditschen. Vier.“
„Habich. Jau, da hasse völlich Recht.“
„Aber anne Baustellen siehsse genau so wenich Leute, wie inne Luft. Deshalb gehtat wohl auch so langsam voran mitie Baustellen. Da is nie einer. Sieben.“
„Den kannich aunoch,“ sacht der Ede.
„Boah, Ede,“ werf ich dazwischen. „Willze uns feddich machen? Hömma! Ich glaub, wir ham auch noch ein paar Kaaten aufe Hand.“
Der Ede grinst sich nur ein, sacht aber nix.
„Janee,“ sarich. „Dat mitie leeren Baustellen, dat is doch so, weil die heute gaanich mehr vor Ort sein müssen. Dat geht getz allet firtuell, oder wie dat heißt.“
„Jawie?“ sacht der Ede und kuckt mich leicht irritiert an. „Wie dat denn?“
Auch der Günna kuckt mich an:
„Ja, Boffski, dat hätt ich ja getz auma gern gewusst, wie dat gehn soll.“
„Ja,“ sarich. „Als Bauarbeiter musse heute nich nur ne Schüppe grade halten können. Da musse auch Telepatie lern.“
„Boffski, Du willz mich verarschen,“ sacht der Ede, lecht die Kaaten weg und nimmt ein Schluck von sein Bier. Auch der Günna lecht seine Kaaten anne Seite und kuckt mich an:
„Nee, nä?“
„Doch,“ sarich. „Wie soll dat denn sonz gehn? Die sitzen heute gemütlich in ihrn Bauwagen, trinken sich ein Bierken und meditiern inne Gegend rum. Dat is reine Telepatie. Dat kriegen die aufe Berufsschule heute alle mit eingepaukt. Die steuern die Maschinen sozusagen im Schlaf. Deshalb siehsse nie ein aufe Baustelle. Absolute Spezialisten, die Bauarbeiter von heute.“
„Und Nachts reitense aufen Schüppenstiel nach Hause, oder wat? Boffski,“ sacht der Ede. „Ich glaub Dich bald gaanix mehr.“
Nimmt seine Kaaten wieder auf und kuckt wieder ganz konzentriert da rein.
Der Günna hat den Ede dann noch bis aufen letzten Kontra und Re getrieben, und der Ede hat dat Spiel trotz ein gutet Blatt verlorn.
„Samma,“ sachter dadrauf. „Wie habter dat denn gemacht? Ihr habt gespielt, als wenn ihr wüsstet, wat ich inne Hand hab.“
„Ede,“ sarich. „Du wolltes mich dat ja nich glauben, aber dat is reine Telepatie. Wie bei die Bauarbeiter. Dat gibtet wirklich.“
Also, wenn ich ma ehrlich bin:
Dat Bierken auf andrer Leuts Kosten schmeckt irgenswie doch immer besser als wie selbst bezahlt.


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