Textilberchbau

unser Bärbel - Betreiberin von ein ziemlich großen Textilberchbau inne eigene WohnungHömma, ich war letztens ma wieder bei unser Bärbel. Die is ja Krankenschwester und hat im Krankenhaus immer Schichtdienst. Genau wie ich dammals, wie ich noch aufen Pütt gewesen war. Und bei die is dat als Alleinerziehende immer ein bissken schwierich mite Hausarbeit und den Kurzen anne Kandarre zu halten und miten Einkaufen und so. Deshalb helf ich sie immer, wenn ich die Zeit dafür hab. Jau, und wie ich die Tage ma wieder drüben gewesen war, hab ich gedacht, die hat ein Lumpenladen in ihr klein Zechenhäusken eingerichtet.
„Hömma, Schwesterken, hasse die Altkleidersammlung geplündert oder wat?“ hab ich se gefracht.
„Nee, wieso meinze?“ frachtse.
„Na, hier, die Klamottenberge. Wat is damit? Kann dat wech?“
„Nee,“ sachtse. „Dat is doch Wäsche für inne Maschine. Dat is eimfach dreckich.“
Hömma! Ich hätte nie gedacht, dat ein einzichsten Mensch so viele Klamotten haben kann. Ich hab ja dammals drei von die bequemen Träningsanzüge gekauft, die ich immer tragen tu. Die warn im Dreierpack billiger. Da hab ich schon gedacht, dat wärn viele. Die komm immer abwechselnd inne Wäsche und gut is. Dann habbich noch den alten schwatten Anzuch von unsern Oppa, weil ihn der nich mehr passt, ein weißet Hemd und den schwatten Schlips für bein Anzuch, wenn ich ma aufe Beerdigung muss, ein Wintermantel für wenn kalt is, dreimal Feinripp und Angora für unten drunter, mein alten Aabeitsanzuch vom Pütt und dat waret dann auch schon. Wird allet so alle zwei Wochen ma inne Maschine gestoppt.
Aber unser Bärbel, nä? Die muss irgenswann ma die gesamte Fraunabteilung bei Klamottenanton aufgekauft ham. Wat die allet für Plünnen in ihre Schränke hat, mein lieber Scholli. Da hätte die Königin Elli aber schwer zu kämfen, um da mithalten zu könn.
„Und,“ sarich. „Wieso tusse dat nich inne Wäsche? Wenn dat hier allet so rumliegen tut, fängt dat doch irgenswann ma am Stinken.“
„Du has gut kacken,“ sachtse. „Ich komm da eimfach nich zu. Ich weiß bald gaanich mehr, wat ich zuerst machen soll.“
„Hömma,“ sarich. „Musse doch nur ma wat sagen. Ich mach dat schon.“
„Boffski,“ sachtse. „Wenn ich Dich nich hätte. Hee, ich hab gedacht Du wolltes mich helfen! Wo gehsse den getz hin?“
Wie ich mit mein letzten Satz fertich war hab ich mich nämlich umgedreht und bin ausse Tür.
„Janee,“ ruf ich zurück. „Wenn ich durch die Berge von Fasern und Fusseln durch will, muss ich wat andret anziehn. Ich such ma ebend mein alten Aabeitsanzuch raus. Da kommsse nämlich nur noch als Berchmann durch.“
Hömma! Ich hab drei Tage in den Textilstreb gebraucht, bis ich unser Bärbel ihre Klamotten wieder sauber hatte.
Und getz muss ich in den Klamottenberch von den Kurzen ein Schacht abteufen. 

Mannomann! Getz steich ich auch noch im Textilberchbau ein.
Hoffentlich muss ich getz nich auch noch beie Berchaufsicht Bescheid geben.


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