Voll dat Game

Der Kurze von unser Bärbel Der Kurze von unser Bärbel is ja so ein Komplutergenie, nä? Hängt ja unglaublich oft vor die Glotze und is an zocken wie ein Weltmeister. Monster verkloppen, Autorennen fahrn, Rätsel lösen … hab ich einklich nix gegen. Ich hab ihn dat Gerät ja schließlich geschenkt. Unser Bärbel sieht dat ein Bissken anders. Aber  aufe Mütter hörn Jungs ja sowieso ab ein bestimmtet Alter nich mehr. Meistens so ab Zehn. Deshalb hab ich dat übernommen, den Junge ein Bissken Halt zu geben. Wie bei Donald Duck und seine drei klein Schlaumeier. Kennze ja, nä? Donald is ja auch der ruhende Pol in die Geschichten.
Jajaja, ich weiß. Aber dat is allet nur ne Frage von den Blickwinkel.
Na, jenfalls komm ich heute bei ihm im Zimmer, und da isser wieder voll dabei, ein Monster nachen andern im Jenseits zu schicken. Is nich so schlimm, aber wenner dat zu lange macht, verlierter eimfach den Bezuch anne Realität.
„Und?“ frach ich ihn so. „Fühlsse Dich wohl, so als Mörder?“
„Onkel Boffski, Du störs!“ sachter ganz konzentriert und haut gleich zwei Monster gleichzeitich den Kopp vonne Schultern.
„Samma, wat findze einklich an dat Gemetzel gut?“ frach ich weiter.
„Booh, Du verstehess dat nich!“ sachter völlich nervös angenervt und metzelt zwischendurch wieder drei Monster wech.
„Nee!“ sarich. „Deswegen frach ich doch.“
„Dat sind hier allet die Bööösen!“ nölter rum. „Die musse eimfach weghaun!“
„Jau,“ sarich. „Zum Glück is dat nich in echt. Da würdsse aber Probleme kriegen.“
„Is getz gut, Onkel Boffski? Ich muss heute wenichstens noch bis am Teleportportal durchkomm. Sonz kann ich nochma von vorne anfang.“
„Janee, ich will ja nich störn,“ sarich. „Aber samma in Ährlich: Wat findze dadran denn getz einklich wirklich gut?“
„Dat dat so echt is!“ sachter kurz aber ziemlich hibbelich und rutscht und wackelt aufen Sitz hin und her, biecht sich nach links und biecht sich nach rechts und hämmert wie ein Bekloppten aufe Maus rum.
„Hmmmm,“ sarich drauf. „Ich kenn aber ein Spielken, wat noch viel echter is.“
„Dat kann gaanich sein!“ Und zum ersten Mal in unsre Unterhaltung kuckter mich an. „Dat hier is dat beste Spiel, mit die beste Grafik, wate kriegen kannz. Et gibt nix Echteret.“
„Wetten?“ sarich.
„Onkel Boffski,“ kuckter mich ein bissken hochnäsich an und lässt die Maus los. „Du has doch von Kompluter gaakeine Ahnung.“
„Dat vielleicht nich,“ sarich. „Aber von Spielen, davon hab ich Ahnung. Da gibtat kein besseren Experte. Glaub mich dat. Ich hab schon ein paar Jahre mehr aufen Buckel als wie Du. Ich kenn mich aus.“
Verziehter skeptisch dat Gesicht, sacht aber erssma nix. Und die Monster aufen Bildschirm machen inzwischen, watse wolln.
Ha, denk ich mich, getz hasse ihm. Nur nich locker lassen.
„Hömma!“ sarich mit ein ganz seriösen Unterton. „Dat Spiel, wat ich mein, is sowat von realistisch, dat kannze von Echt gaanich mehr unterscheiden.“
„Aber dat hier wird doch überall super gehaipt, weilet so echt is!“ starteter noch ein verzweifelten Versuch, gegen mich anzukomm.
„Ge-WAT? Ach egal,“ sarich. „Gegen dat, wat ich mein, kommt dat sowieso nich an.“
„Aber hier siehsse richtich, wie der Wind mite Blätter spielt. Oder wie dat Monster dat Gras zertrampelt.“
„Pippifax!“ sarich.
„Ich glaub Dich gaanix! Dat stimmt allet gaanich! Du has doch gaakeine Ahnung! Du willz mich nur ärgern!“ wird er auf eima laut.
„Mooooment!“ sarich ruhich. „Kuck ma aussen Fenster.“
Unten aufe Straße warn grade seine Kumpels Kevin und Ben aufen Wech nachen Bolzplatz.
„Dat, wat die da spieln, dat is sowat von echt, da kommt Deine Monsterjagd gaanich gegen an. Hömma! Da siehsse nich nur, wie sich dat Gras bewecht, wie der Wind mite Blätter spielt, sondern du spürs auch richtich in Echt, wie dat zwiebelt, wenne Dich aufe Schnauze lechs. Und wenn der Ball durchen Loch im Zaun beie Frau Schickedanz inne Fensterscheibe fliecht, musse sogar richtich in Echt die Beine inne Hand nehm, damit Euch die Frau Schickedanz nich die Hammelbeine langzieht. Wat meinze? Kannze dat auch am Kompluter? Oder gehsse getz aufen Platz?“
Hömma. Konnze gaanich so schnell kucken, wie der Kurze bei seine Kumpels gewesen is.
Die Scheibe muss diesma unser Bärbel bezahln.


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