Weinachten

Hebbert HonselmeierBin ich die Tage ma wieder bein Birkan anne Bude gewesen, weil ich ein Bierken für bei mein Sauerbraten haben musste. Klar, dat ich da auch den Hebbert Honselmeier getroffen hab.
„Und?“ sarich so fürn Hebbert. „Wie isset?“
Kuckter mich von links nach schräch mit ein Auge an, lehnt sich ein Bissken zurück, wankt wie son Fahnenmast im Sturm und sacht:
„Ahach duubissat, Bohoffski.“
Dreht sich mühsam um und sacht fürn Birkan:
„Biirkan? Mammanoein. Uuund fürmeinfreundhier auch.“
Birkan kuckt mich an und ich schüttel nur leicht miten Kopp. Ich mach ja kein Schnaps.
„Gib mich ma en Bier, Birkan,“ sarich stattdessen. „Und, wat machs Du mit Deine Familie an Weinachten?“ frach ich den Kumpel. Der is ja Moslem und feiert dat einklich gar nich.
„Ach Boffski,“ sachter. „Ich mach den Laden zu und fahr mite Kinder nach meine Schwester in Bottrop. Die hat ja ein Christ geheiratet und da kriegen meine Kurzen auch immer wat geschenkt. Dat gefällt die. Da hamse dann öfter im Jahr wat zum Feiern.“
„Weinachten?“ geht der Hebbert dazwischen. „Ssaammmaa, wieso heißtat einklich so?“
Birkan und ich kucken uns an, und ich wusste, dat et ma wieder Zeit war, den Hebbert ausse Reserve zu locken.
„Janee, Hebbert, wenn dat einer weiß, dann doch wohl Du, oder?“ heiz ich ihm an.
„Boohoffski, du verschteehsss mich. Biirkaann? Mammanoein. Uuund fürmeinfreundhier auch.“
Wieder mein Koppschütteln und ich frach:
„Dann erzähl doch ma, Hebbert. Wieso heißt Weinachten einklich Weinachten?“
„Jaaaha, dat iss doch ganss aaimfach. Dat is wegen die Faffen.“
„Aha,“ sagen Birkan und ich gleichzeitig.
„Jaahaa! Weil die Faffen doch immmer Wein trinkn.“
„Und ich dachte immer, dat wär den Jesus sein Geburtstach, wat we da feiern tun,“ frach ich nach.
„Jaa klahar. Dat iss doch auch sooh! Boohoffski, Du verschtehssat nicht. Der Jesus hat doch iiirgnswann ma allle seine Kuhumpels aufe Gebursstachspaaaty eingeladen. Ja, uuhund daaa warnauch die Faffen dabei. Uhund weilse die Paaty so toll fandn, deswegen haam die gesacht, datse dat getz immer machen wolln. Dat miten Jeesuss seine Gebuursstachspaaty.“
„Aha.“
„Jaa, so war dat gewesen. Uund weilse da Wein getrunken haam uuund weilat die gansse Nacht gegang iisss, die Paaty, hamse gesacht, dat dat Weinachten heissen muss, Soo waar dat. Biirkaann? Mammanoein. Uuund fürmeinfreundhier auch.“
„Und deshalb trinkt unser Pastor auch immer ein Weinken beim Essen?“ frach ich nach.
„Der Jupp? Dat weissich getz nich so genau,“ sachter, fingert nachen Pinnken, kuckt da rein, holt Luft und will grade sein Spruch aufsagen, da geht der Birkan dazwischen.
„Hebbert, ich glaub dat reicht getz. Vielleicht gehsse erssma ne Körriwurst essen. Anne Hochlarmarkstraße hat ne neue Bude aufgemacht. Dat issen Koseng von mich. Den hab ich schon von Dich erzählt. Geh ma da hin und hau dich die Fosfatstange rein. Da krisse eine für umsonst. Ich will ja nich, date wieder im Krankenhaus muss.“
Macht der Hebbert drauf ein spitzen Mund, sacht aber nix. Dreht sich um und wankt ausse Bude. Und wie er grade so inne Tür is hör ich ihm noch murmeln:
„… immer essen. Aber vielleicht ham die da ja aauch Wein.“

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