Weinachtskekse suchen

Omma1Hömma! Dat is schon ein richtiget Ritual, wat da jedet Jahr in meine Bude abgeht. Omma läuft voll auf Hochtouren, sobald et auch nur annähernd nach Weinachten aussieht. Wat die da an Plätzchen raushaut … Mein lieber Scholli! Da kommt noch nichma unser Bäcker mit seine Backstraße mit. Dat is wie Fließband. Und die Wichtel bei den Weinachtsmann da am Nordpol werden blass bei unser Omma ihre Produktion. Jau. Aber kaum, datse die Weinachtskekse aussen Ofen hat, verstecktse dat Zeuch. Damit da keiner vor Weinachten drankommen soll. Aber nur vordergründig. Einklich ist dat ne gezielte Aktion.
Trotzdem musse an Heiligabend nochma ne Schüppe Kohlen aufen Herd werfen und neue Plätzchen backen.
Du glaubs gaanich, wat sich die Verwandtschaft auf eima in mein klein Zechenhäusken tummelt. Kaum heißt dat „Omma backt Plätzchen“ kommse alle ausse Löcher. Die kenn sich dann ohne Benno seine OlleProbleme hier aus, wie als wennse bei sich zu Hause wärn. Sogar unsan Benno, den ich sonz immer haarklein erklärn muss, wo die Kiste mit den Dortmunder steht. Janee, und sogar unsan Benno seine Olle, die sich sonz kaum hier sehn lässt, weiß auf eima, wose suchen muss, damitse die klein Dickmacher findet. Naja, der Hungerhaken kannet ja auch gebrauchen.
Der Kurze von unser BärbelAber der erste, der die versteckten Plätzchen findet, is natürlich der Kurze von unser Bärbel. Bei den is dat so, als wenner ein eingebauten Plätzchensensor hätte. Dat dauert keine fümf Minuten und unser Omma muss ein neuet Versteck für ihre Kostbarkeiten finden. Der Kurze muss wohl ganz spezielle Organe inne Nase haben, die ganz emfindlich auf Keksdosen geeicht sind.
Naja. Wie gesacht. Omma muss dann immer wieder ein neuet Versteck finden, damit auch noch genuch für alle andern übrich bleibt. Aber wenne die Keksdose gefunden has, darfsse erst wat rausnehm, wenne dafür irgensein Teil aus meine Bude inne spezielle Kiste gepackt has. Ich lach mich immer kaputt, wat bei die Sucherei allet wieder ans Tageslicht kommt. Wie letztens die alten Einmachgläser und die olle Petschwörkdecke, die meine Bille noch genäht hat. Oder dat Brokatkissen und der Schweinehaut-Lampenschirm, die Omma und Oppa schon lange aussortiert ham. Die vollen Kisten geben we dann immer bein Jupp Andreijcack, wat ja unsern Pastor is, für ein guten Zweck ab. Dat miten Verstecken macht unser Omma solange, bis alle ausse Verwandtschaft ihrn Anteil gefunden haben und mindestens zwei Kisten vollgepackt sind. Und wehe, einer fehlt bei die Aktion. Dann wird Omma aber fuchtich. Logisch, datse alle kommen. Alleine schon wegen die leckeren Plätzchen.
Bei andere wat aussortiern is ja sowieso viel leichter, als wie in die eigene Bude. Und dat macht auch viel mehr Spaß. Zu Hause hängt ja an jedet Stück ne Erinnerung dran. Da stellsse dat lieber wieder zurück, statt dat inne Kiste zu packen. Aber bei andre is sowat leicht. Besonders wenn Omma böse kuckt, wenne dat gute Stück wieder ausse Kiste rausnimms. Dat hat unsan Benno seine Olle ja raus, mich damit so richtich zu ärgern. Da kannse mich eima im Jahr allet zurückzahln. Die blüht dabei richtich auf und Du siehss dat Glitzern inne Augen wie bei ein klein Mädken, dat grade ein Pony geschenkt gekricht hat. Dat is für die besser wie Weinachten.
Tja, und dann is irgenswann Heiligabend, alle Weinachtskekse sind aufgegessen, und Omma muss miten Backen von vorne anfang. Machtse jedet Jahr so, dat miten Verstecken. Wie an Ostern mite Eier. Aber da ist die Vorlaufzeit nich so lang und mit den Heißhunger aufe Eier hält sich dat auch in Grenzen.
Zum Glück. Wer weiß, wat die Verwandtschaft sonz noch allet in meine Bude finden würde. Bisken wat brauch ich ja auch noch.


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